Formloser Antrag: Krankengeldzuschuss bei längerer Erkrankung
Ab der 7. Krankheitswoche zahlt die GKV Krankengeld — oft weniger als das Nettogehalt. Ein tariflicher Krankengeldzuschuss des Arbeitgebers schließt diese Lücke. So beantragen Sie ihn richtig.
Krankengeldzuschuss: System und Ansprüche
Der Krankengeldzuschuss ist keine gesetzliche Pflichtleistung der GKV — er ist eine tarifliche oder vertragliche Aufstockung durch den Arbeitgeber.
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Keine GKV-Zahlung in dieser Phase — der Arbeitgeber trägt die Last
Gedeckelt auf das SV-Höchstentgelt (2025: 4.987,50 €/Monat); max. 78 Wochen je Erkrankung
Im TVöD z.B. Aufstockung auf 100 % Netto für bis zu 39 Wochen — Antrag beim Arbeitgeber
Kasse stellt Bescheinigung über Höhe und Beginn des Krankengeldes aus — kostenlos
Ohne tarifliche oder vertragliche Regelung besteht kein gesetzlicher Zuschussanspruch
Krankengeldzuschuss in ausgewählten Tarifverträgen
Die Zuschussregelungen unterscheiden sich je nach Tarifbereich erheblich.
| Tarifvertrag | Zuschussdauer | Aufstockungsziel |
|---|---|---|
| TVöD (Bund/Kommunen) | Bis 39 Wochen (je nach Betriebszugehörigkeit) | 100 % Nettoverdienst |
| TV-L (Länder) | Bis 26 Wochen | 100 % Nettoverdienst |
| Metalltarif (IG Metall) | Bis 26 Wochen | 80 % Bruttoentgelt |
| Einzelhandel (ver.di) | Bis 13 Wochen | Netto abzgl. Krankengeld |
| Kein Tarifvertrag | Nur wenn vertraglich geregelt | Vertraglich vereinbarter Betrag |
Antrag-Generator — PDF & Word
Krankengeldzuschuss in der Praxis
Diese Konstellationen treten häufig auf und erfordern einen formlosen Antrag beim Arbeitgeber.
TVöD-Beschäftigter erhält nach 8 Wochen keinen Zuschuss
Krankenpfleger ist seit 10 Wochen krank. Ab Woche 7 zahlt die Kasse Krankengeld — der Arbeitgeber hat keinen Zuschuss überwiesen.
- →Formlosen Antrag an die Personalstelle mit Verweis auf § 22 TVöD stellen
- →Krankengeld-Bescheinigung der Kasse als Anlage beifügen
- →Anspruch besteht bis zu 39 Wochen (je nach Betriebszugehörigkeit)
- →Bei Verweigerung: Betriebsrat einschalten, ggf. Arbeitsgericht
Krankengeld-Betrag niedriger als erwartet
Versicherter mit 3.800 € brutto erwartet 70 % = 2.660 €, erhält aber nur 2.200 € Krankengeld.
- →Krankengeld basiert auf dem Regelentgelt (Brutto/Monat der letzten 12 Monate)
- →Gedeckelt auf das SV-Höchstentgelt — Hochverdiener spüren die Lücke am stärksten
- →Schriftliche Berechnung von der Kasse anfordern — bei Fehler: Widerspruch
- →Der tarifliche Zuschuss füllt die Differenz zum Netto auf
Zuschuss im Arbeitsvertrag geregelt — Arbeitgeber zahlt nicht
Arbeitsvertrag: 'Gehalt wird bis zu 3 Monate auf 80 % des Nettolohns aufgestockt.' Arbeitgeber zahlt nur Krankengeld.
- →Vertragsklausel ist bindend — formlosen Antrag mit Vertragsauszug stellen
- →Krankengeld-Bescheinigung beilegen als Berechnungsgrundlage
- →Bei Verweigerung: Anwalt für Arbeitsrecht oder Arbeitsgericht
- →Ausschlussfristen im Vertrag beachten (oft 3 Monate nach Fälligkeit)
Weitere Antragsthemen bei der Krankenkasse
Urlaub bei Krankengeldbezug
Genehmigung von Urlaubsreisen während des Bezugs von Krankengeld nach § 8 SGB V.
Zu den VorlagenBerufskrankheit
Meldung und Antrag zur Anerkennung einer Berufskrankheit nach § 193 SGB VII.
Zu den VorlagenKostenübernahme
Kostenübernahme für Brille, Liposuktion, Bauchdeckenstraffung und weitere Leistungen nach § 13 SGB V.
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