Formloser Antrag: Erwerbsminderungsrente — Volle oder halbe EM beantragen
Wer aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht mehr vollständig arbeiten kann, hat Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. Wir erklären die Voraussetzungen und liefern die Vorlage für den Antrag.
Erwerbsminderungsrente: Voraussetzungen und Berechnung
Die Erwerbsminderungsrente sichert Versicherte ab, die aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht mehr vollständig arbeiten können. Entscheidend sind Restarbeitsfähigkeit, Wartezeiten und die 3-in-5-Regel.
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Maßgeblich ist die Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt — nicht nur im bisherigen Beruf. Die DRV lässt eigene ärztliche Gutachter prüfen. Eigene Atteste sind wichtig, aber nicht allein entscheidend
Die allgemeine Wartezeit (60 Monate) muss erfüllt sein. Zusätzlich: In den letzten 5 Jahren vor Eintritt der EM müssen mindestens 36 Monate Pflichtbeiträge vorliegen. Kindererziehungszeiten zählen für die allgemeine Wartezeit
Bei voraussichtlich dauerhafter EM: Unbefristete Rente möglich. Bei unklarer Prognose: 3 Jahre befristet, danach Verlängerung. Spätestens nach 9 Jahren (3 × 3 Jahre) wird die Rente unbefristet
Seit 2019: Zurechnungszeit bis zum 67. Lebensjahr (vorher 62 Jahre). Für junge Erwerbsgeminderte bedeutet das deutlich höhere Renten. Die Zurechnungszeit kompensiert fehlende Beitragsjahre
Volle vs. halbe Erwerbsminderungsrente
Abhängig von der verbleibenden Arbeitsfähigkeit gibt es unterschiedliche Ansprüche und Rentenbeträge.
| Kriterium | Volle EM-Rente | Halbe EM-Rente |
|---|---|---|
| Arbeitsfähigkeit | Unter 3 Std./Tag | 3 bis unter 6 Std./Tag |
| Rentenhöhe | Volle Rente (100 %) | Halbe Rente (50 %) |
| Hinzuverdienst | Bis ca. 18.558 € jährlich (2024) | Bis ca. 37.116 € jährlich (2024) |
| Befristung | 3 Jahre (verlängerbar) | 3 Jahre (verlängerbar) |
| Grundlage | SGB VI § 43 Abs. 2 | SGB VI § 43 Abs. 1 |
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Erwerbsminderungsrente in der Praxis
Diese Fälle zeigen, wie die Erwerbsminderungsrente beantragt und durchgesetzt wird.
Burnout und Depression — DRV lehnt EM ab, Widerspruch erfolgreich
Bürokaufmann (52) leidet seit 2 Jahren an schwerer Depression, ist krankgeschrieben. DRV-Gutachter erkennt nur 4 Stunden Arbeitsfähigkeit an — halbe EM bewilligt.
- →EM-Rente bei 4 Std./Tag: Halbe EM-Rente beantragen — DRV muss prüfen
- →Eigene psychiatrische Atteste und Krankenhausberichte beifügen
- →Bei Ablehnung: Widerspruch mit neuem fachärztlichem Gutachten — Psychologe oder Psychiater
- →Hinzuverdienstgrenze bei halber EM beachten — Teilzeittätigkeit möglich
Rückenerkrankung — volle EM nach Widerspruch durchgesetzt
Krankenpflegerin (48) mit schwerer Bandscheibenerkrankung und Nervenschädigung. DRV-Gutachter attestiert 3,5 Std. Arbeitsfähigkeit — Antrag auf volle EM abgelehnt.
- →Widerspruch einlegen: Eigenes orthopädisches Gutachten in Auftrag geben
- →DRV-Gutachter liegen bei Beurteilung der Arbeitsfähigkeit oft höher als behandelnde Ärzte
- →Klage beim Sozialgericht: Gericht holt unabhängiges Gutachten ein — oft günstiger
- →VdK oder Sozialverband als kostenloser Beistand beim Widerspruch anfragen
Unfall mit 30 Jahren — EM-Rente und Zurechnungszeit
Handwerker (30) nach Arbeitsunfall dauerhaft voll erwerbsgemindert. Nur 8 Jahre Beitragszeiten.
- →3-in-5-Regel prüfen: Mindestens 36 Monate Pflichtbeiträge in den letzten 5 Jahren vor dem Unfall
- →Zurechnungszeit bis 67: Rente wird berechnet, als wäre er bis 67 weitergearbeitet — deutlich höhere Rente
- →Bei Arbeitsunfall: Unfallrente der Berufsgenossenschaft (BG) zusätzlich möglich — parallel beantragen
- →EM-Rente und BG-Rente können nebeneinander bezogen werden
Weitere Antragsthemen im Rentenrecht
Widerspruch Rentenablehnung
EM-Rente abgelehnt? Widerspruch binnen 1 Monat beim zuständigen DRV-Träger.
Zur VorlageReha-Antrag
Reha vor Rente — Antrag auf medizinische oder berufliche Rehabilitation nach SGB VI.
Zur VorlageKontenklärung
Fehlende Beitragszeiten können die Wartezeit für die EM-Rente erfüllen — Kontenklärung beantragen.
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